Vor dem Bloggen Hirn einschalten…

casimodo:

…oder: wann ist sexistische Kackscheiße sexistische Kackscheiße?


Ich denke mal eine Runde laut:

Beim gemütlichen Abendessen mit meiner Freundin kamen wir durch Gespräche über ihr mögliches Studium auf das Thema Frauenquote. Schwerfällig vom Feierabend, die Lasagne liegend auf meinem Bauch verzehrend, liess ich mich spontan zu dem Spruch hinreissen, der zwei Postings vorher von diversen Leserinnen und Lesern kommentiert wurde. Ihre erste Antwort darauf: “das solltest du mal bloggen”. Meine sofortige Reaktion: “ich glaube, dass kommt nicht so gut”.

Wir sprachen kurz weiter darüber. Kamen zu der Erkenntnis, dass in dieser Behauptung eigentlich die Männer schlechter bei weg kommen. Andererseits wäre es aber auch falsch, eine nötige Frauenquote in Führungspositionen auf diese Notwendigkeit zu reduzieren, dass…, naja - ihr könnt es ja nachlesen. Ich werde es der Übersicht halber nicht löschen und stehe dazu. Schliesslich war es meine Entscheidung, es tatsächlich zu veröffentlichen.

Gespannt auf eure Reaktionen, bloggte ich also diese zwei Sätze. Liegend, immer noch mit dem Lasagneteller auf meinem Bauch, vom Sofa aus - iPhone sei Dank!

(Es ist interessant, wie du mit den einleitenden Sätzen versuchst, den Leser in deine Situation hinein zu versetzen. Ich meine es nicht als Angriff, aber versuchst du damit Sympathie und Verständnis zu erzeugen? :) Nur so als Gefühl, dass ich beim Lesen hatte. (Update: oh und derspringendepunkt anscheinend auch!)

Interessanterweise habe ich die Reaktionen, wie von zeitkasten, Dinge und derspringendepunkt erwähnt, fast schon erwartet. Vorhin las ich sie dann unterwegs, konnte aber vom Mobilteil aus nicht diesen Text hier verfassen. Dafür brauche ich Ruhe und eine Tastatur.

Natürlich war die Aussage eine sexistische Kackscheisse. Punkt.

Ja. Punkt.

Da lässt sich nicht darüber streiten. In diesem Fall ging es (meiner Meinung nach) mal gegen Männer. Macht das die Sache besser? Nein. Sexismus ist immer scheisse, egal ob gegen Frauen oder Männer gerichtet.

Sexismus ist immer diskriminierend und reproduziert Machtstrukturen, das sehe ich genau so, unabhängig gegen welche Form von Geschlecht. Aber ich hatte ehrlich gesagt nicht das Gefühl, dass es diesmal eher gegen Männer ging.

Es wird zwar das angeblich “triebhafte” des Mannes angesprochen, objektifiziert aber im Umkehrschluss die Frauen, welche als Werkzeug fungieren, um eine höhere berufliche Position zu erhalten. Das ist auch in so fern kritisch, weil in unserer Gesellschaft immer wieder suggeriert wird, dass Frauen die eben genannte “Triebhaftigkeit” des Mannes ausnutzen würden, um Erfolg im Beruf zu haben. In diesem Fall sind die alten Geschlechterklischees also nur transformiert worden.

Und genau das ist unser eigentliches Problem. Witze über eine Frauenquote sollten allein deswegen schon überflüssig sein, weil eine Frauquote an sich schon ein Witz ist. Wäre die Welt nicht sexistisch, bräuchten wir diese Quote nicht, weil es eine Selbstverständlichkeit wäre, dass ebenso viele Männer wie Frauen in einem bestimmten Arbeitsumfeld anzutreffen sind. Sexismus beginnt in unseren Köpfen. Das gilt ebenso für Emanzipation, die manche auch für sich so auslegen, dass Frauen nicht gleich gestellt, also gleich berechtigt den Männern gegenüber in der Gesellschaft verankert sein sollten, sondern höher gestellt. Leider gibt es Frauen, die so denken und leider gibt Männer, die emanzipierten Frauen dies generell unterstellen. Beides ist falsch.

Ich stimme zu, dass wenn die Welt nicht sexistisch/rassistisch/etc. wäre, eine Quote überflüssig wäre. Ich betrachte die Quote aber in unserem Status Quo der Gesellschaft als ein mögliches Werkzeug, um diese Differenzlinien aufzubrechen. Eine Übergangslösung sozusagen. In Norwegen ist vor nicht allzu langer Zeit eine verbindliche Quote eingeführt worden und zeigt Erfolge, einen SpOn-Artikel dazu fand ich ziemlich erhellend und interessant ist dazu auch der Artikel zu Quoten in der Wirtschaft von Laura.

Der ewige Mythos, dass Frauen den Spieß umdrehen wollen und Männer diskriminieren ist leider ein Griff in die Mottenkiste. Auch wenn er immer wieder gerne bevorzugt von Maskulisten hervorgezaubert wird. :\

Ich wiederhole noch mal: in einer gerechten Welt sollten Begriffe wie Sexismus ebenso wenig von Nöten sein, wie Emanzipation. Klingt vielleicht hart, ist aber so. Wie sollen Männer es für selbstverständlich halten, dass Frauen ihnen gleich gestellt sind, wenn an anderer Stelle von Ihnen erwartet wird, dass sie ihnen die Tür aufhalten sollen, den Stuhl zurecht stellen, erst hinsetzen, wenn sie sitzt, etc.? Das fördert nicht unbedingt die Sache.
Natürlich wird es immer Situationen geben, wo eine schwächere Person von einer stärkeren geschützt werden muss. Allerdings muss die schwächere Person nicht immer vom “schwachen Geschlecht” (auch so ein scheiss Begriff!) sein.

Siehe: Status Quo. So ist es nunmal leider nicht. Und deshalb ist es auch unerlässlich diesen Zustand zu thematisieren und wie schon gesagt: Von mir aus auch eine Quote als Werkzeug zu benutzen.

Gleichberechtigung bedeutet eben dies. Jeder hat die gleichen Rechte, unabhängig vom Geschlecht. Oder wie meine Freundin eben sagte, als wir unsere “Nachbesprechung” zu dem vorherigen Dilemma hatten:

“Wenn ich jemandem die Tür aufhalte, sollte es egal sein, ob es ein Mann oder eine Frau ist.”

Den Satz finde ich ehr schön. Wenn man jemandem die Tür aufhält, sollte es ein Akt der Höflichkeit und des Respekts gegenüber einem Menschen sein! :)

Schlussendlich: sollte ich jemanden mit meinen Worten enttäuscht, wütend gemacht oder verletzt haben, so tut mir das natürlich leid. Auch wenn sich (ehrlicherweise) meine Reue in Grenzen hält, weil im Vergleich zu anderen Dingen, die ich manchmal so von anderen höre, die Aussage eher harmlos war. Aber ich möchte es auch nicht herunter spielen. Ich habe andere Trigger, auf die ich anspringe. Wenn man z.B. “Schwul” als Schimpfwort verwendet. Da kann ich nicht ruhig bleiben. Von daher danke ich euch für eure ehrlichen Worte, die mich im Nachhinein zum Nachdenken gebracht haben und die letztendlich für diesen langen Wortbeitrag hier verantwortlich sind, den ich mir vom Herzen schreiben musste. Ich hoffe mal, wir lesen uns weiterhin.

Das hat mich wiederum etwas zum Grübeln gebracht. Ich habe schon öfter darüber nachgedacht, ob es einfach nur Trigger sind und ob ich mich zu sehr aufrege oder zu hohe Ansprüche habe, was diskriminierendes Verhalten angeht. Aber irgendwie kann es auch nicht sein, dass ich mich damit herausrede und Situationen in “schlimm” und “nicht so schlimm” aufteile.

Das ist auch genau das Problem, dass wir alle haben. Zumindest ich als Cis-Mann bin in einer privilegierten Position (andere Faktoren habe ich für diesen Kommentar jetzt einmal ausgeblendet). Das ist etwas, worüber ich mir bewusst sein muss, um zu verhindern, dass ich (unbewusst?) diskriminiere. Ich muss selbst erkennen, in welcher privilegierten Position ich mich in einer Situation befinde und einen Weg finden, diese Machtverhältnis auszugleichen. Also ohne Zuschreibungen zu machen, ohne positiv zu diskriminieren, ohne zu bevormunden, etc. 

Wie ich auch schon schrieb, war ich im ersten Moment etwas enttäuscht so etwas zu lesen. Freue mich aber sehr, dass du dir Gedanken darüber gemacht hast und nicht einfach abgewunken hast. Dass du dir die Zeit genommen hast darüber zu schreiben und Stellung zu beziehen, finde ich persönlich sehr wichtig, auch wenn wir vielleicht in einigen Dingen unterschiedliche Standpunkte haben… ;) Aber das ist ja das schöne an solchen Diskussionen: Dass man lernt, was es noch für Meinungen gibt, dass man über eigene Denkmuster reflektiert und auch seine eigenen Position schärfen kann.

Wir lesen uns weiterhin.